Willi Winzig - Das hat man nun davon!

Komödie von Heinz Erhardt
Regie: Thorsten Hamer
Premiere: 19.05.17 (Voraufführung 17.+18.05.17)

Willi Winzig
- Thorsten Hamer
Herr Kuhländer,
Finanzminister - Joachim Börker
Dr. Finz,
Landwirtschaftsminister - Marc Gelhart
Dr. Senn,
Ministerialsekretär - Carsten Steuwer
Herr Dolleschall
- Hermes Schmid
Frau Dr. Kubin
- Isolde Beilé
Frau Weguscheit
- Maren Rogge
Der Scheich von Hamudistan
- Simon Kase


Kritiken

SONNTAGS-TIPP vom 21. Mai 2017

Die Haltung

Thorsten Hamer lässt Heinz Erhardt auferstehen

WEYHE (aks) > Heinz Erhardt hatte sich die Rolle des Willi Winzig einst auf den eigenen Leib geschrieben. Der Finanzbeamte mit einem großen Herzen für arme Seelen, den seine Gutmütigkeit um die Exitenz zu bringen droht. Eine von vielen Paraderollen des großen Komikers. Und seit Freitag eine Paraderolle von Thorsten Hamer. Das Ensemblemitglied des Weyher Theaters gilt als einer der besten Erhardt-Interpreten in Deutschland, und hat das bei der Premiere von "Willi Winzig - Das hat man nun davon!" einmal mehr unter Beweis gestellt. "Die Haltung, die Bewegungen, die Sprache - wie Heinz Erhardt in jung", schwärmt ein Premierengast schon während der Pause. Tränen gelacht hätten er und seine Begleiterin, erzählt er begeistert. "Dass man Erhardt so nachmachen kann, haben wir nicht erwartet", ist das Urteil der regelmäßigen Besucher aus dem fernen Wehrbleck.

Hellauf begeistert war das gesamte Publikum. Thorsten Hamer konnte man ebenso wenig widerstehen wie den Lachsalven im Publikum. Gäbe es den Begriff "sich kringelig lachen" noch nicht, er wäre am Freitag erfunden worden.

So fühlte sich das Publikum erneut bestens unterhalten, und man darf annehmen, dass Willi Winzig dem Repertoire ebenso erhalten bleibt wie die frühere Erhardt-Revue "Nachdem ich mich hier versammelt habe".


WESER-REPORT vom 21. Mai 2017

Mit Hingabe den Erhardt verjüngt

Weyher Theater feierte Premierenerfolg mit Thorsten Hamers Willi-Winzig-Adaption

HENRIK BRUNS

"Steh'n se da nicht so Cognac - äh, rum!" Von Heinz-Erhardt-typischen Redewendungs-Verdrehungen lebt das Theaterstück "Das hat man nun davon". Die Neuauflage wiederum ist eine Thorsten-Hamer-Show.

WEYHE 1969 hatte Heinz Erhardt selbst die auf einem Lustspiel von Wilhelm Lichtenberg basierende Komödie auf die Theaterbühne gebracht und war rund 600 Mal in der Hauptrolle des Willi Winzig aufgetreten. Wenn heute der 2015 zum Ensemble des Weyher Theaters gestoßene Thorsten Harner in diese Paraderolle Erhardts schlüpft, dann wird Erhardt selbst für ihn zur eigentlichen Hauptfigur.

Dem Premierenpublikum im Weyher Theater präsentierte er am Freitagabend in seiner eigenen Inszenierung "Willi Winzig - das hat man nun davon!" quasi einen verjüngten Heinz Erhardt. Stimme und Tonfall, Mimik und Gestik seines Idols fängt Hamer dermaßen treffend ein, dass jedem Fan warm ums Herz werden sollte. Modernisiert hat er den, die deutsche Oberfinanzdirektion auf die Schippe nehmenden, Dreiakter lediglich behutsam. Anspielungen auf aktuelle Fälle von Steuerverschwendung oder -hinterziehung fehlen ebenso wenig, wie auch das zu Heinz Erhardts Zeit noch als recht "heikel" angesehene Techtelmechtel Winzigs mit seiner Sekretärin Frau Weguscheit (Maren Rogge legte sich mächtig ins Zeug und spielte sie zuweilen schon mit einer leicht verruchten Note) deutlich ausgebaut wurde.

In sechs weiteren Rollen bereiteten erfahrene Ensemble-Mitglieder wie Joachim Börker (Minister Kuhländer), Marc Gelhart (als geiziger Amtsleiter Dolleschall), Carsten Steuwer (Winzigs Sidekick Dr. Senn) oder Isolde Beile (Frau Dr. Kubin) Hamer die Bühne, um den unaufhaltsamen Aufstieg Winzigs, des gutmütigen Steuerbeamten mit dem großen Herz für den kleinen Mann, mit ganzer Hingabe an das große Vorbild auszuleben.


KREISZEITUNG vom 22. Mai 2017

Überzeugende Gestik und starke Mimik

Gelungene Premiere von "Willi Winzig" im Weyher Theater

Von Regine Suling

WEYHE • Er ist rechtschaffen, und er hat sein Herz am rechten Fleck. Und doch: Wirklich wahr- und ernstgenommen wird er nicht. Willi Winzig, der kleine Beamte im Finanzministerium Süd. "Unsereiner muss arbeiten und Akten schreiben. Und wenn das draußen zugestellt wird, dann sind das Tragödien und Katastrophen", jammert Willi Winzig, während er in seiner Amtsstube die Aktendeckel aufschlägt – und kurzerhand ein paar von ihnen im Ordner im Schrank verschwinden lässt, um außerhalb der Welt des Ministeriums keine Schicksalsschläge auszulösen. "Denn wenn der das kriegt, hängt er sich tot oder schießt sich auf."

Mit "Willi Winzig – Das hat man nun davon!" legte ganz besonders Thorsten Hamer als Willi Winzig am Freitagabend eine grandiose Premiere auf die Bretter des Weyher Theaters. Hamer weiß, was er tut: Denn er gilt als versierter Heinz-Erhardt-Interpret und hat dessen Programme mehr als 1000 Mal auf die Bühne gebracht.

Auch am Weyher Theater brilliert Thorsten Hamer in der Komödie von Heinz Erhardt als solcher – und bedient dabei alle Genres. Den Schüchternen, den Verrückten, den Ehrlichen und manchmal auch den Mutigen. Das alles garniert mit der nötigen Prise Witz und Klamauk, mit einer starken Gestik und Mimik.

Dabei ist es nicht selbstverständlich, die Stücke und den Humor aus den 1950er- und 1960er-Jahren auch im 21. Jahrhundert zu einem Erfolg zu machen. Dem Ensemble des Weyher Theaters ist das gelungen.

"Ich komme direkt von meinen lieben Kühen und Schweinen", sagt der Landwirt und frisch gebackene Finanzminister Kuhländer (Joachim Börker), dem sein neues Ressort so gar nicht gefällt. "Was machen Sie hier?", will er von Willi Winzig wissen. "Teils jenes, teils dieses", erwidert der. Und irgendwann platzt ihm, der noch eine Woche bis zur Frühpensionierung vor sich hat, der Kragen. Er geigt seinem Chef Herrn Dolleschall (Hermes Schmid) die Meinung. Dessen Antwort folgt auf dem Fuße: Kürzung der Beamtenpension auf ein Drittel. Das löst die blanke Panik in Willi Winzig aus.

Er beherzigt den Rat des Ministerialsekretärs Dr. Senn (Carsten Steuwer): "Geben Sie dem Affen Zucker!" Woraufhin Winzig wissen will: "Wo kriege ich den Affen her?". Er solle den Verrückten mimen, dann bekomme er die komplette Pension, sagt Dr. Senn. Gesagt, getan.

"Ich bin ein Narr. Helau!"

Willi Winzig springt über die Bühne, macht lauter verrückte Dinge: "Ich bin ein Narr. Helau!" Plötzlich wird er wahrgenommen – allerdings ganz anders als er dachte. "Für mich sind Sie der normalste Mensch, dem ich seit langem begegnet bin", sagt Minister Kuhländer. "Wenn der Keks spricht, haben die Krümel zu schweigen", herrscht Winzig seine Vorgesetzten an. Und legt dank einiger glücklicher Umstände schließlich eine steile Karriere im Ministerium hin.

Winzig bleibt seiner rechtschaffenen Art und Weise treu, er himmelt weiterhin die Tierärztin Dr. Kubin (Isolde Beilé) an, die eigentlich nur auf Fördermittel für ihre Forschung aus ist.

Winzig nimmt weiterhin nicht wahr, wie sehr ihn seine Mitarbeiterin Frau Weguscheit anhimmelt – übrigens hervorragend von Maren Rogge in Szene gesetzt. Wie sie über ihre Brille linst, den Rock übers Knie schiebt und ihn fragt: "Sie haben doch sicher ein Hobby?" ist unnachahmlich. Und sich doch nicht abschrecken lässt von Winzigs herbem Charme: "Erstens bin ich für Sie zu jung, und zweitens sind Sie für mich zu alt."

Welche Rollen Landwirtschaftsminister Dr. Finz (Marc Gelhart) und der Scheich von Hamudistan (Simon Kase) in dieser Komödie spielen, wie die Geschichte für Willi Winzig schließlich ausgeht – das erfahren all jene, die sich das Stück noch bis zum 24. Juni anschauen. Es lohnt sich, denn zwei humorvolle Stunden sind garantiert.


WESER KURIER vom 22. Mai 2017

WEYHER THEATER

Winzig in Perfektion

Weyhe. In Perfektion gibt Thorsten Hamer am Weyher Theater den Willi Winzig - vom Tonfall her, aber auch in Gestik und Mimik. Die Ähnlichkeit mit Heinz Erhardt und dessen Paraderolle verblüffte bei der Premiere am Freitag. Hamer überzeugt sogar dann bis ins letzte Detail, wenn er in "Das hat man nun davon" die Figur des gutmütigen Finanzbeamten zwischendurch vergisst. Seite 3

Irrsinn als Karriere-Turbo

Thorsten Hamer brilliert bei Premiere von "Willi Winzig - Das hat man nun davon" in Heinz Erhardts Paraderolle

VON ANKE BAYER-THIEMIG

Weyhe. Spritzig, gekonnt, turbulent und humoristisch: Thorsten Hamer schlüpfte am Freitagabend in die Paraderolle Heinz Erhardts, die des Willi Winzig, der seit Urzeiten in jenem Korridor des Finanzministeriums sitzt, der direkt zum Minister führt. 17 Minister hat er kommen und gehen sehen ("mehr gehen als kommen“), stets ist er ein treuer Beamter geblieben. Bis kurz vor seiner Pensionierung. Denn dann kommt heraus, dass er Mahnungen und Steuerstrafen in alten Ordnern verschwinden ließ ohne sie abzusenden, damit er denen hilft, die nichts haben.

Eine Woche vor seiner Pensionierung wird Willi Winzig erwischt, die Kürzung der Pension droht. Da rät ihm jemand, den Wahnsinnigen zu mimen. Beabsichtigte Folge: Unzurechnungsfähig, daher volle Rente. Willi Winzig zieht alle Register, um diesen Vorschlag umzusetzen. Doch es kommt anders...

Als verrückter Finanzbeamter macht er Karriere in der Politik. Je verrückter er sich stellt, desto ernster wird er genommen. Willi zieht auf einem Empfang alle Register und legt einen durchgeknallten Auftritt nach dem anderen hin. Das macht er so gut, dass er zum Amtsrat befördert wird und feststellen muss, Irrsinn ist im Beamtenleben ein echter Karriere-Turbo.

Vor ausverkauftem Haus

Heinz Erhardts Theateradaption von Wilhelm Lichtenbergs Stück "Wem Gott ein Amt gibt" ist ein Klassiker. Unter der Inszenierung von Thorsten Hamer selbst feierte das Boulevardstück "Das hat man nun davon" in Weyhe vor ausverkauftem Haus Premiere. Manchmal brach Hamer alias Winzig auch aus der Rolle, um mit dem Publikum zu plaudern oder den einen oder anderen Kommentar von sich geben. So wie es Heinz Erhardt eben auch gemacht hat.

Die Rolle als Willi Winzig ist Thorsten Hamer auf den Leib geschrieben. Er spielte den Verrückten in Perfektion, hatte das Original förmlich in sich aufgesogen – im Tonfall ohnehin, aber auch in Gestik und Mimik.

Kein Wunder, hat Hamer den Willi Winzig schon an mehreren Theaterhäusern gespielt. Er wurde übrigens 2010 von der ARD als bester Heinz-Erhardt-Darsteller ausgezeichnet.

Das war richtig großes Kino. Aber natürlich auch, weil sich die anderen Schauspieler hervorragend um ihn rankten: Finanzminister Herr Kuhländer (Joachim Börker), Landwirtschaftsminister Dr. Finz (Marc Gelhart), Ministerialsekretär Dr. Senn (Carsten Steuwer), Sektionschef Herr Dolleschall (Hermes Schmid), als Scheich von Hamudistan Simon Kase sowie die Damen Frau Dr. Kubin (Isolde Beilé) und Frau Weguscheit (Maren Rogge). Die Darstellung der Figuren lieferte ihm wunderbare Vorlagen und brachte so manche Situationskomik zu Tage.

Und wer die Aufzeichnung aus dem Jahr 1969 kennt, durfte nur verblüfft sein über die Ähnlichkeiten. Der Mitschnitt einer solchen Aufführung ist übrigens bei Youtube zu sehen. Aber wer will schon ein Video auf einem Online-Portal, wenn er das Stück auf einer echten Bühne sehen kann?

Heinz Erhardt selbst stand mit der Theaterkomödie "Das hat man nun davon" etwa 600 Mal auf der Bühne. Zwanzig Mal steht das Stück noch auf dem aktuellen Spielplan in Weyhe – Fortführung in der neuen Saison wahrscheinlich. "Das hat man nun davon" ist schlicht und einfach ein wunderbares Lustspiel. Wer gerne herzhaft über Wortspiele und intelligente Blödeleien lacht, sollte sich das Stück unbedingt anschauen.

Mit wippendem Gang und baumelnden Armen, zum Beispiel wenn er sich nach vorne beugte, brachte Hamer (1982 in Solingen geboren) die Spielweise Erhardts auf den Punkt. Jubel für Thorsten Hamer im voll besetzten Weyher Theater. Einen tobenden Zuschauerraum und stehende Ovationen gab es als Belohnung für alle Darsteller zur Premiere.


Termine

01. Mittwoch, 17.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater - Voraufführung
02. Donnerstag, 18.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater - Voraufführung
03. Freitag, 19.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
04. Samstag, 20.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
05. Sonntag, 21.05.2017, 18.00 Uhr, Weyher Theater
06. Mittwoch, 24.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
07. Freitag, 26.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
08. Samstag, 27.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
09. Sonntag, 28.05.2017, 15.00 Uhr, Weyher Theater
10. Sonntag, 28.05.2017, 18.00 Uhr, Weyher Theater
11. Mittwoch, 31.05.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater

12. Donnerstag, 01.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
13. Freitag, 02.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
14. Samstag, 03.06.2017, 17.00 Uhr Weyher Theater
15. Mittwoch, 07.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
16. Donnerstag, 08.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
17. Freitag, 09.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
18. Samstag, 10.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
19. Sonntag, 11.06.2017, 15.00 Uhr, Weyher Theater
20. Sonntag, 11.06.2017, 18.00 Uhr, Weyher Theater
21. Mittwoch, 14.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
22. Donnerstag, 15.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
23. Freitag, 16.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
24. Samstag, 17.06.2017, 17.00 Uhr, Weyher Theater
25. Samstag, 17.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
26. Sonntag, 18.06.2017, 15.00 Uhr, Weyher Theater
27. Dienstag, 20.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
28. Mittwoch, 21.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
29. Donnerstag, 22.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
30. Freitag, 23.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
31. Samstag, 24.06.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater

32. Mittwoch, 22.11.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
33. Donnerstag, 23.11.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
34. Freitag, 24.11.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
35. Samstag, 25.11.2017, 20.00 Uhr, Weyher Theater
36. Sonntag, 26.11.2017, 15.00 Uhr, Weyher Theater
37. Sonntag, 26.11.2017, 18.00 Uhr, Weyher Theater



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