Männerparadies

Komödie von Kay Kruppa und Frank Pinkus
Regie: Kay Kruppa
Premiere: 07.05.26 (Voraufführung 06.05.26)

Dieter,
Schulleiter - Marcus Rudolph
Kurt,
Zahnarzt - Kay Kruppa
Karsten,
"Mona-Q"-Topseller - Marc Gelhart
Richard,
Journalist bei einer Feinschmeckerzeitung - Joachim Börker
Axel,
Dieters Sohn, Fitnesstrainer - Marco Linke


Kritiken

KREISZEITUNG vom 9. Mai 2026

Unruhe im „Männerparadies“

Premiere am Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier

Von Thomas Kuzaj

BREMEN
– „Männer brauchen viel Zärtlichkeit, oh, Männer sind so verletzlich.“ Herbert Grönemeyers Worte aus dem Jahr 1984 haben die Zeiten überdauert, sie wirken immer noch irgendwie gültig und zutreffend. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Wer weiß das schon so genau in Zeiten, in denen täglich in den Nachrichten zu hören ist, was Männer so alles anrichten. . .

Um diese Männer geht es hier allerdings nicht, sondern eher um, nun ja, Männer von nebenan. Große Erfahrung mit diesen Männern – insbesondere mit deren Schrullen, Macken und Eigenheiten – hat man am Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier (Woltmershausen). So viel Erfahrung, dass Männerstücke praktisch ihren festen Platz im Spielplan haben.

Jetzt hatte wieder eines davon Premiere: „Männerparadies“, geschrieben von Frank Pinkus (1959 bis 2021) und Intendant Kay Kruppa, der das Stück auch inszeniert und mitspielt (als Zahnarzt Kurt). Mit ihm auf der Bühne: Joachim Börker (Gourmetmagazinautor Richard), Marc Gelhart (Kosmetikvertreter Karsten), Marco Linke (Fitnesstrainer Axel) und Marcus Rudolph (Schulleiter Dieter, Axels Vater). Männer ähnlicher Generationen, ein eingespieltes Ensemble, eine Wohlfühlbesetzung, die weite Teile des männlichen Teils im Publikum in gewisser Weise spiegelt. Zuweilen fühlt es sich an wie eine Zeitreise in die 80er, als die Welt – wenigstens aus der Sicht von heute – noch geordnet war und zum Beispiel Schwulsein noch ohne Wimpernzucken als Thema für Scherze durchging.

Doch was bitte ist das eigentlich genau, ein „Männerparadies“? Für Dieter, Kurt, Karsten und Richard ist es die Wohngemeinschaft, in der sie seit einiger Zeit leben – von Lisa Dittus in geschmackvolle Grün- und Holztöne getaucht. Alle vier Bewohner haben so ihre Erfahrungen mit Beziehungen und Ehen gemacht, nun sind sie geschieden oder verwitwet – und in der Gemeinschaft des „Männerparadieses“ zur Ruhe gekommen. Im Paradies gelten klare Regeln: Man(n) erscheint nicht unbekleidet im Gemeinschaftsraum (unterhält sich aber oft über Methoden der Intimenthaarung). Man(n) bekommt keinen Frauenbesuch (heimlich aber schon). Nun, die Paradiesbewohner haben gelernt, mit den Eigenheiten der jeweils anderen zu leben, sei es die Belehrungsneigung des einen oder die etwas unglückliche Feinschmeckerleidenschaft des anderen. Das Spiel mit Klischees, das Grönemeyer karikiert hat, ist ein integraler Teil des Stücks.

Und vielleicht ein bisschen zu integral. Beispiel: „Männer sind schon als Baby blau“, heißt es bei Grönemeyer. Kurt ist auch als Erwachsener oft blau. Kruppa spielt das sehr gut, der Betrunkene wirkt bei ihm glaubwürdig und liebenswert, nicht peinlich. Beim Publikum kommt das an, Kruppa bekommt viel Applaus dafür. Aber die Sache ist eben auch ein bisschen eine Wohlfühl-Nummer: Komik aus Alkohol gewinnen – man weiß, das funktioniert. Also macht man’s auch noch mal. Und nochmal. Und nochmal.

Wein hin, Cognac her: „Männerparadies“ wäre keine Komödie, wenn nicht eine Bedrohung über das Paradies hereinbräche. Die Bedrohung erscheint hier eines Tages in Gestalt von Axel, der nach dem Scheitern seiner Ehe einzieht und das fein austarierte Gleichgewicht der Gemeinschaft gefährdet, jung und von sich überzeugt, wie er ist. Als Fitnesstrainer stachelt er alle zum „Power-Zumba“ an. Die Männer machen sich dabei zum Affen, ausgerechnet der auf Ausdauersport fixierte Axel als Vortänzer am meisten.

Und weil Männer, wie Grönemeyer es ja auch schon wusste, so verletzlich sind, kommt es zum Streit im Paradies. Schließlich sitzt Dieter allein zu Haus. Doch keine Sorge, am (umjubelten) Ende wird alles wieder gut. Männer eben.


WESER-KURIER vom 9. Mai 2026

Rotwein, Runzeln, Radlerhosen

Das Boulevardtheater Bremen nimmt seine Besucher mit ins „Männerparadies“

VON ALEXANDRA KNIEF

Bremen. Karsten, Kurt, Dieter, Axel und Richard sind zwar grundverschieden, haben aber eine Sache gemeinsam: Alle sind verwitwet oder haben eine gescheiterte Ehe oder Beziehung hinter sich, alle sind einsam. Deswegen hat Dieter die vier anderen Männer in seinem großen alten Bauernhaus aufgenommen. Hier wohnen sie in ihrem ganz persönlichen "Männerparadies", mit ihren ganz persönlichen Regeln. Ob das wirklich so paradiesisch ist, können die Zuschauer ab sofort im Boulevardtheater Bremen herausfinden, wo das Stück von Kay Kruppa und Frank Pinkus (1959–2021) am Donnerstag seine Bremen-Premiere feierte. Lohnt sich der Besuch?

Die Geschichte

Der regelliebende Schulleiter Dieter (Marcus Rudolph), Zahnarzt Kurt (Kay Kruppa), "Mona Q"-Hautpflege-Verkäufer Karsten (Marc Gelhart) und Richard (Joachim Börker), der für ein Feinschmecker-Magazin schreibt und dauernd fragwürdige Gerichte aus aller Herren Länder an seinen Mitbewohnern testet, haben sich in ihrer Männer-WG gut arrangiert. Doch dann zieht Dieters Sohn Axel (Marco Linke) mit ein und bringt das Fundament der vier Freunde ein wenig ins Wanken. Vor allem, weil er sich nicht an die Regeln hält und den anderen Männern unverblümt ihre Schwächen und ersten optischen Alterserscheinungen vorhält. Dadurch bekommt vor allem Kurts Ego, das bisher recht groß war, einen ordentlichen Knacks.

Wie das auf der Bühne aussieht

Bühnenbildnerin Lisa Dittus durfte – Überraschung – wieder einmal ein Wohnzimmer bauen, das den Dreh- und Angelpunkt dieser Komödie bildet. Da die fünf Männer in einem alten umgebauten Bauernhaus wohnen, gibt es auf der Bühne dieses Mal hohe Wände mit freiliegenden Dachbalken und viele Fenster mit Blick ins Grüne. Statt Couchecke spielt sich das Geschehen in der Küche ab, in deren Zentrum ein langer Tresen mit Tisch und hohen Stühlen steht.

Was die Kostüme angeht, konnte sich Anika Töbelmann bei dieser Geschichte ordentlich austoben: Von Feinripp-Unterhemd bis Smoking, von Radlerkluft bis Weihnachtsmütze mit Elchgeweih tragen die fünf Herren alles auf, was der Kleiderschrank so hergibt.

Wer mitspielt

Marcus Rudolph spielt seinen Dieter sensibel und liebenswert. Das Stück beginnt mit einer Szene, in der er allein rotweintrinkend vor seinem Weihnachtsbaum steht. Alle anderen Männer sind ausgezogen. Erst im Laufe des Abends erfährt der Zuschauer, was dazu führte. Marc Gelhart mimt Karsten als passionierten Creme-Verkäufer – der einzige Mann seiner Art in ganz Deutschland –, der keine Gelegenheit auslässt, seinen Freunden die passende Salbe anzudrehen. Egal, ob erste Fältchen und Runzeln oder Sonnenbrand: Karsten hat da was im Schrank.

Joachim Börkers Richard ist der ruhigste in der Runde (doch stille Wasser sind tief!), ins Plaudern kommt er nur, wenn es um seine Gerichte geht. Schlange, Lama, frittierte Vogelspinnen – Richard schreckt kulinarisch vor gar nichts zurück und bringt so einige Skurrilitäten von seinen Reisen nach Vietnam, Simbabwe oder Bolivien mit nach Hause.

Marco Linke präsentiert seinen Axel als leicht überdrehten Fitness-Freak, dem es sichtlich Freude zu machen scheint, vor den vier älteren Herren, bei denen er eingezogen ist, mit seiner Jugend und seinem Erfolg bei Frauen zu prahlen. Zwar zeigen seine Worte hier und da Wirkung, und die vier anderen Männer beginnen plötzlich, sich für Magerquark-Diäten oder "Hollywood"-Waxing zu interessieren, sein Power-Zumba jedoch kommt bei den WG-Partnern nicht annähernd so gut an wie gedacht.

Dieses Mal ist es aber Theaterleiter Kay Kruppa (auch für die Inszenierung verantwortlich), der als Kurt den Vogel abschießt. Egal, ob er betrunken an Weihnachten wie jedes Jahr Gutscheine für eine Zahnreinigung an seine Freunde verschenkt oder sich in einen hautengen Rennradanzug zwängt, um zu beweisen, wie fit und ansehnlich er noch ist – die Lacher des Abends gehören ihm; es macht einfach großen Spaß, ihm als Kurt zuzuschauen. Zum Beispiel auch, wenn er lallend Sophie verteidigt, einen furchtbar hässlichen Weihnachtsengel, den er als Fünfjähriger gebastelt hat und der – ganz zum Ärger der anderen – jedes Jahr oben auf ihrem Weihnachtsbaum thronen muss.

Fazit

Theaterkomödien, die sich um Geschlechterthemen drehen, laufen leicht Gefahr, sich zu sehr in Klischees und Vorurteilen zu wälzen und so ins Lächerliche abzurutschen. "Männerparadies" allerdings beweist, dass der Spagat zwischen Witz und Albereien auf der einen Seite sowie einem gewissen Level an Feinsinn und Bodenständigkeit auf der anderen Seite durchaus gelingen kann. Sicher wird sich der eine oder andere Zuschauer in den fünf facettenreichen Figuren und ihren liebenswerten Macken wiedererkennen.

"Männerparadies" ist ein Stück über Einsamkeit, Freundschaft und die kleinen Tücken des Älterwerdens, bei dem es zwischen Runzeln, Reibereien und Rotwein am Ende zum Glück auch ein Happy End gibt. Müsste man dieses Stück auf eine zentrale Botschaft herunterbrechen, dann wäre es wohl diese: Niemand ist perfekt und das ist auch gut so – weder diese fünf Freunde noch Weihnachtsengel Sophie.

Info

"Männerparadies" läuft am Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier vorerst bis einschließlich 27. Juni. Alle Termine, Tickets und weitere Infos gibt es online unter boulevardtheater-bremen.de.


broadwayworld.com am 8. Mai 2026

Review: MÄNNERPARADIES at Boulevardtheater Bremen

By: Konstantin Georgiou

Ich war gestern bei der Premiere von „Männerparadies“ im Boulevardtheater Bremen. Und ich bin etwas zwiegespalten.

Die Darsteller selbst hatten sichtbar Spaß und besonders Marc Gelhart und Marco Linke haben ihre Rollen wirklich getragen. Auch das Publikum hatte immer wieder größere Lacher, gerade bei Running Gags und den bewusst klischeehaften Momenten. Das Ganze ist warmherzig gespielt und will vor allem unterhalten.

Allerdings hatte ich relativ früh das Gefühl: Wo soll die Geschichte eigentlich hin? Leider beantwortet das Stück diese Frage nie wirklich. Es wirkt eher wie eine Aneinanderreihung von Sketches als wie eine durchgehende Handlung. Besonders in der Pause fehlte mir komplett dieses klassische „Ich bin gespannt, wie es weitergeht“.

Dabei hätte die Konstellation eigentlich viel Potenzial gehabt. Gerade das Thema „Mann sein“ oder die Vater/Sohn Dynamik hätten deutlich stärker und moderner ausgearbeitet werden können. Viele Konflikte bleiben eher oberflächlich oder wirken wie aus einer anderen Zeit. Manche Dialoge fühlen sich an, als wäre das Stück Anfang der 2000er entstanden und seitdem nicht mehr wirklich weiterentwickelt worden.

Schade fand ich auch, dass storybedingt keine einzige Frau mitspielt. Dadurch fehlt dem Abend manchmal eine zusätzliche Energie oder Reibung. Selbst das Bühnenbild blieb eher funktional, obwohl das Theater mit seinem Drehboden eigentlich Möglichkeiten gehabt hätte.

Und doch: Wer sketchartige Boulevard-Komödien mag, wird hier definitiv seinen Spaß haben. Das Publikum heute war überwiegend älter und genau dafür funktioniert der Abend vermutlich auch sehr gut.

Mein Gefühl war eher: Das Stück selbst bräuchte mal eine echte Auffrischung. Die Darsteller hätten mit moderneren Dialogen, klarerer Handlung und mehr thematischer Tiefe wahrscheinlich sogar noch sichtbar mehr Freude daran. https://boulevardtheater-bremen.de/maennerparadies


Termine

01. Mittwoch, 06.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen - Voraufführung
02. Donnerstag, 07.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
03. Freitag, 08.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
04. Samstag, 09.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
05. Sonntag, 10.05.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
06. Freitag, 15.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
07. Samstag, 16.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
08. Sonntag, 17.05.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
09. Freitag, 29.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
10. Samstag, 30.05.2026, 16.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
11. Samstag, 30.05.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
12. Sonntag, 31.05.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen

13. Freitag, 05.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
14. Samstag, 06.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
15. Sonntag, 07.06.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
16. Freitag, 12.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
17. Samstag, 13.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
18. Sonntag, 14.06.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
19. Freitag, 19.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
20. Samstag, 20.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
21. Sonntag, 21.06.2026, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
22. Freitag, 26.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen
23. Samstag, 27.06.2026, 19.30 Uhr, Boulevardtheater Bremen


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