Und immer wieder zahlt das Amt

Komödie von Michael Cooney
Regie: Kay Kruppa
Premiere: 29.09.2021

Eric Swan
- Kay Kruppa
Linda Swan
- Janina Zamani
Norman Bassett,
Erics und Lindas Untermieter - Andreas Eckel
Mr. Jenkins,
Außenprüfer des Sozialamts - Marc Gelhart
Onkel George
- Hermes Schmid
Sally Chessington
- Antje K. Klattenhoff
Dr. Chapman
- Joachim Börker
Mr. Forbright
- Markus Weise
Mrs. Cowper
- Maren Kannelon


Kritiken

KREISZEITUNG vom 22. März 2010

Wenn Väter zu Söhnen werden

Weyher Theater feierte Premiere mit der Komödie "Rente gut – alles gut" und begeisterte einmal mehr das Publikum

Stuhr - WEYHE (abt) · Die Story ist eigentlich nicht lustig: Da verliert einer den Job, betrügt das Sozialamt und verstrickt sich in Lügen. Doch für Michael Cooney sind das die Zutaten für eine schwarze Komödie. Der englische Autor brachte mit seinen turbulenten Komödien und Farcen schon so manche Bühne ins Wanken. Auch das Weyher Theater am vergangenen Freitag, das mit "Rente gut – alles gut" Premiere feierte.

Eric Swan, gespielt von Kay Kruppa, der auch Regie führte, ist arbeitslos und das seit zwei Jahren.

Innerhalb von zwei Stunden wird aus Eric Swan erst Rupert Thompson, dann Onkel George, während Swans Untermieter Norman Bassett (Frank Pinkus) sich zunächst in seinen eigenen Sohn Dickie Willie Bassett und anschließend in Swans Ehefrau Linda verwandelt.

Eric Swan lässt verzogene Untermieter weiter bei sich wohnen, dichtet ihnen schlimme Krankheiten und Arbeitslosigkeit an – und ergattert auf diese Weise stolze 250 000 Euro im Jahr.

Ein Problem entsteht erst, als der Außenprüfer des Sozialamtes Mr. Jenkins (urkomisch gespielt von Marc Plate) bei den Swans auftaucht und diverse nicht existierende Personen zu sehen wünscht. Dann nämlich werden Lebende zu Toten, Väter zu Söhnen und Männer zu Frauen.

"Cash" heißt die Farce im englischen Original, "Rente gut – alles gut" lautet die deutschsprachige Übersetzung, die einst für eine Schweizer Aufführung erstellt wurde. Thematisch passt der Inhalt des mehr als zehn Jahre alten Lustspiels wie maßgefertigt ins aufgeschreckte Deutschland, wo immer weniger alte Menschen von ihrer Rente leben können.

In weiteren Rollen Karen Meyer-Vokrap als Linda Swan, Antje K. Klattenhoff als Sally Chessington von der Fürsorge, Joachim Börker spielte den schwulen Eheberater Dr. Chapman, Maren Rogge die Leiterin des Sozialamtes mit Namen Mrs. Cowper, den wirklichen Onkel Georg übernimmt Hermes Schmid und Marc Gelhart debütiert als Mr. Forbright, einem Beerdigungsunternehmer.

Durch die Geschwindigkeit des Stückes entsteht eine zusätzliche komische Wirkung. Und trotzdem behält das Ensemble einen so wunderbaren Überblick, dass keine Pointe ausgelassen wird: Absurde Situationen, eine immer verzwickter werdende Handlung und derbe, mitunter makabre Komik.

Da werden Arbeitslosigkeit, Sozialbetrug und vor allem Bürokratie auf eine derart unterhaltsame Weise verulkt, dass die Besucher fast vergaßen, wie ernst diese Themen sind. Während der Premiere zeigten laute Lachsalven aus dem Publikum, dass die Farce bei den Zuschauern sehr gut ankam.

Unter dem begeisterten und vor allem lang anhaltendem Beifall der Besucher im ausverkauften Weyher Theater hob sich der Vorhang für die Darsteller immer und immer wieder.


WESER-KURIER vom 01. Oktober 2021

Das Ende des Geldregens

Boulevardtheater zeigt Verwechslungskomödie: Und immer wieder zahlt das Amt

VON DESIREE BERTRAM

Bremen. Zwei Männer mittleren Alters diskutieren heftig. Sie sitzen auf einer Couch inmitten eines Wohnzimmers. Der Grund ihrer Auseinandersetzung hat es in sich: Eric Swan (Kay Kruppa) ist arbeitslos. Seine Frau Linda Swan (Janina Zamani) weiß davon nichts. Vor zwei Jahren hat Eric seinen Job verloren, trotzdem fließt regelmäßig Geld in die Haushaltskasse: Er bezieht Sozialleistungen für verschiedene Menschen, die er ständig neu erfindet und die angeblich in seinem Haushalt wohnen – von Kindergeld über Krankengeld bis zu Rente. Gut 250.000 Euro sind dabei pro Jahr zusammengekommen.

Das versucht Eric seinem Untermieter Norman Bassett (Andreas Eckel) zu erklären. Norman reagiert auf Erics Geständnis schockiert: „Dafür kommst du ins Gefängnis!“ Beide überlegen, wie Eric den Schwindel verheimlichen könnte. Viel Zeit dafür bleibt ihnen nicht. Denn der Sozialamtsmitarbeiter Mr. Jenkins (Marc Gelhart) steht bereits vor der Tür – er macht eine Außenprüfung und droht Eric auf die Schliche zu kommen. Damit dessen Betrug nicht auffliegt, drängt Eric alle im Haus lebenden oder dort auftauchenden Leute in die Rollen, die er in den vergangenen Monaten erfunden hatte.

Die Verwechslungskomödie „Und immer wieder zahlt das Amt“ lebt von Schnelligkeit, Humor und jeder Menge Chaos: Andauernd werden neue Ausreden und Figuren erfunden. Die vielen Wendungen scheinen einerseits absurd, andererseits ergeben sie inmitten des Schwindels einen Sinn. Das Stück spielt komplett in Erics Wohnzimmer, das mit Couch, Sesseln und einem Kamin ausgestattet ist. Weiße Türen an den Seiten führen in Räume wie Schlafzimmer oder Küche. Diese sieht der Zuschauer nicht, aber sie werden geschickt in die Handlung einbezogen.

Schauspieler überzeugen

Kruppa spielt den arbeitslosen Schwindler überzeugend und bringt das Publikum des Bremer Boulevardtheaters an einigen Stellen allein mittels seiner Mimik zum Lachen: Seine Verzweiflung ist ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben. Auch Eckel verkörpert seine Rolle in dem sich immer weiter zuspitzenden Dilemma glaubhaft. Der Zuschauer kauft ihm ab, dass der Untermieter nichts von dem Betrug wusste./p>

Nach der Pause erwartet das Publikum die Darsteller bereits mit Applaus, und im Theatersaal herrscht eine lockere Atmosphäre, die bis zum Ende so bleibt. Das Stück des britischen Autors Michael Cooney sowie dessen Umsetzung im Boulevardtheater überzeugte das Premierenpublikum am Mittwoch – obwohl die Inszenierung ab und an sehr albern rüberkommt.

Dabei ist die Thematik durchaus fragwürdig, kommt aber nicht bösartig daher: Ein Arbeitsloser, der sich immer mehr in Lügen verstrickt und sich Gelder vom Amt erschleicht. Die Zuschauer fiebern die ganze Zeit über mit: Fliegt Erics Schwindel auf, und wie reagiert seine Frau Linda? Das Ende der Geschichte überrascht. Die Zuschauer im gut gefüllten Theatersaal lachten während der gesamten Vorstellung regelrecht um die Wette. Viel Applaus mit Standing Ovations.


Termine

01. Mittwoch, 29.09.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
02. Donnerstag, 30.09.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen

03. Freitag, 01.10.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
04. Samstag, 02.10.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
05. Sonntag, 03.10.2021, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen

06. Mittwoch, 03.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
07. Donnerstag, 04.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
08. Freitag, 05.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
09. Samstag, 06.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
10. Sonntag, 07.11.2021, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
11. Mittwoch, 10.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
12. Donnerstag, 11.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
13. Freitag, 12.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
14. Samstag, 13.11.2021, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
15. Sonntag, 14.11.2021, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen

16. Freitag, 25.03.2022, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
17. Samstag, 26.03.2022, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
18. Sonntag, 27.03.2022, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
19. Freitag, 01.04.2022, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
20. Samstag, 02.04.2022, 20.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen
21. Sonntag, 03.04.2022, 15.00 Uhr, Boulevardtheater Bremen

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