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Miss Merkel – Mord in der Uckermark Kritiken WESER-KURIER vom 16. März 2026 Angela Merkel ermittelt in Mordfall VON JOLA HORSCHIG Schon der Anfang ist ein Genuss ganz anderer Art: die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim schlafend im Ehebett. Sie hat einen Albtraum, er weckt sie und erinnert sie daran, dass sie ja nun Rentnerin sei und beide im beschaulichen Klein-Freudenstadt leben würden. Ach ja! Doch zack spielt die Szene auf dem Marktplatz der Kleinstadt – mit Obstverkäuferin und Blumenverkäuferin sowie Angela, Joachim und Mops Pupsi, der ihnen mit Personenschützer Mike an der Leine folgt. Plötzlich kommt Philipp Freiherr von Baugenwitz in Ritterrüstung dahergeritten. Mike wittert ein Attentat auf Angela und steht blitzschnell mit gezückter Pistole vor ihr. Doch die Situation entspannt sich, nachdem der Freiherr seinen Helm abgenommen hat und sich vorstellt. Er lädt Angela und Joachim zum Weinfest ein, das am Abend in seinem Schloss stattfinden wird. Die Familienverhältnisse des Freiherrn muten dubios an und lassen die ehemalige Kanzlerin misstrauisch werden: Seine Frau Alexa hat eine stark ausgeprägte Vorliebe für alkoholische Getränke und seine Ex-Frau Katharina wohnt trotz Scheidung im Schloss und kümmert sich um den Schlossbetrieb. Ihre Tochter Pia wohnt ebenfalls noch dort und ist eine äußerst erfolgreiche Influencerin. Im Laufe des Stücks lernen die Zuschauerinnen und Zuschauer noch mehr Menschen kennen: eine Polizistin, eine Fremdenführerin, einen Kommissar, eine Pathologin und einen amerikanischen Investor. Insgesamt 14 Personen, die von fünf Schauspielerinnen und drei Schauspielern fabelhaft dargestellt werden. Die Geschichte und das Geschehen auf der Bühne sind rasant, witzig und immer wieder überraschend. Doch es gibt auch ruhige Szenen, in denen das Publikum sich entspannt zurücklehnen kann. Wenn Angela und Joachim verliebt miteinander tanzen. Und man erhält einen Einblick, wie das Privatleben des Ehepaares wohl aussehen könnte. Sie nennen sich gegenseitig liebevoll Puffeline und Puffel(chen). Puffeline backt gerne, Apfelkuchen mit viel Schlagsahne zum Beispiel, und Puffel(chen) liebt das Wortspiel Scrabble. Doch mit dem plötzlichen Tod des Freiherrn, dessen Leiche hinter einer verschlossenen Tür gefunden wird, ändert sich alles. Aus dem beschaulichen Rentnerdasein wird plötzlich ein sehr aktives Detektivleben und Angela Merkel wird zu Miss Merkel. Das Stück basiert auf dem Roman "Miss Merkel – Mord in der Uckermark" von David Safier, die Bühnenfassung haben Florian Battermann und Jan Bodinus geschrieben. Für die Inszenierung am Weyher Theater zeichnet der Schauspieler und Regisseur Stefan Leonard verantwortlich. Zusammen mit dem Ensemble und den guten Geistern hinter der Bühne hat er ein Gesamtwerk zum Leben erweckt, das durch Kreativität, Schlagfertigkeit und Spielfreude beeindruckt. Schon das Bühnenbild von Lisa Dittus ist klasse. Mit nur wenigen Requisiten verwandeln die Akteure den Marktplatz – so ganz nebenbei – zum Merkel-Sauerschen Wohnzimmer oder in ein Schloss. Auch die Idee mit dem Mops, der mit dem Personenschützer spazieren geht, und die Umsetzung der Von-Baugenwitzer-Ahnengalerie sind einfach genial. Das gesamte Ensemble sprüht nur so vor Spielfreude und Schauspielkunst. Allen voran Kathrin Busch als Angela Merkel. Die große Herausforderung, eine weltweit bekannte Persönlichkeit authentisch und dennoch fein überspitzt darzustellen, hat sie mit absoluter Bravour gemeistert – wunderbar gewürzt mit Merkel-Raute, Blazershow und Erinnerungen an die Amtszeit der Kanzlerin. Die Rolle ihres eher nüchternen, wissenschaftlich denkenden, aber doch sehr fürsorglichen Ehemannes Joachim Sauer hat Hermes Schmid perfekt auf die Bühne gebracht. Marco Linke hat es geschafft, als wachsamer, sofort einsatzbereiter Personenschützer und Kuchengenießer zu glänzen und dann äußerst unbeholfen auf Freiersfüßen zu wandeln. Und Marc Gelhart hat als Philipp Freiherr von Baugenwitz und amerikanischer Investor beim Publikum wahre Lachsalven ausgelöst. Die Kriminalkomödie ist wirklich einen Besuch wert. Das fand auch das Publikum und belohnte das Ensemble mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovation. Die Zeit verging wie im Fluge. Viel zu schnell fand Angela heraus, wer den Freiherrn ermordet hat. Aber man kann ja noch einmal ins Theater gehen und sich am Geschehen auf der Bühne erfreuen. KREISZEITUNG vom 16. März 2026 „Miss Merkel“ löst am Weyher Theater ein mörderisches Rätsel VON RAINER JYSCH Mit einer äußerst unterhaltsamen Mischung aus Krimi, Satire und politischem Humor ist es dem spielfreudigen Ensemble des Weyher Theaters gelungen, die Story mit Esprit in Szene zu setzen. Das Bühnenbild mit multifunktionaler Kulisse deutet die Schauplätze – vom Dorfplatz von Klein Freudenstadt, über den abgedunkelten Weinkeller auf Schloss von Baugenwitz bis Merkels Wohnzimmer – eher symbolisch als realistisch an. Dadurch bleibt der Fokus auf dem bunten Mix von Protagonisten und ihren Dialogen. Besonders sehenswert sind der Einsatz von Lichteffekten und Geräuschen sowie die passende Musik, die die Spannung eines klassischen Krimis aufgreifen, gleichzeitig aber immer wieder ironisch gebrochen wird. Auch die Dialoge zwischen Angela Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer sowie ihrem Personenschützer Mike liefern zahlreiche komische Höhepunkte. Das Publikum wird durch versteckte Informationen von zunächst unwichtig erscheinenden Details ganz im Krimistil von „Whodunit“ (Wer hat es getan?) zum Miträtseln animiert. Angela Merkel (hervorragend gespielt von Kathrin Busch) ist Rentnerin und freut sich nach 16 Jahren Kanzlerschaft auf Ruhe und Erholung in der Provinz. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim „Puffel“ Sauer (Hermes Schmid) möchte sie den Lebensabend genießen. Als Schlossherr Freiherr Philip von Baugenwitz (Marc Gelhart) sie zum mittelalterlichen Weinfest auf sein Schloss einlädt, lernt sie dessen ausgeflippte Ehefrau Alexa (Isabell Christin Behrendt), seine Exfrau Katharina (Heidi Jürgens) und deren Tochter Pia (Lisa Herrmann) kennen. Bodyguard Mike (Marco Linke) ist dabei stets an Merkels Seite. Bei einer Führung durch das Schloss entdeckt die kleine Besuchergruppe den Schlossherrn mausetot im von innen verriegelten, dunklen und feuchten Weinkeller. Die Polizei in Person von Kommissar Hannemann (Marc Gelhart), unterstützt von seiner uniformierten Kollegin Lena Amadeus (Isabella Gonzalez), tippt auf Selbstmord. Das sieht die Exkanzlerin jedoch ganz anders und macht sich als Miss Merkel („Nervenkitzel macht Spaß“) auf die nicht ungefährliche, aber am Ende erfolgreiche Spur des Mörders oder der Mörderin. Situationskomik, Wortwitz und überraschende Wendungen halten die Spannung bis zur Auflösung des Falls aufrecht. Einige der Schauspieler hatten gleich mehrere Rollen übernommen. Das Publikum reagierte mit spontanen Lachern, häufigem Szenenapplaus und sichtlicher Freude an den vielen kleinen Seitenhieben auf Politik und Alltag. Hier wurde ein charmanter Grundgedanke, eine der bekanntesten Politikerinnen Deutschlands zur Amateur¬detektivin zu machen, sehr erfolgreich auf die Bühne gebracht. Besucher können „Miss Merkel“ im Weyher Theater noch bis zum 24. April bei ihrer Arbeit als Hobby-Ermittlerin amüsiert miterleben. Es lohnt sich. Termine |